Geschichte

In der am 1. August 1135 in Nienburg/Saale ausgestellten Gründungsurkunde stattete der Kaiser seine Abtei mit umfangreichen Besitzungen aus. Es entstand eines der reichsten Klöster nördlich des Harzes.

 

 

Wegen zahlreicher Reliquien und eines angeblich wundertätigen Marienbildnisses, vor allem aber wegen der päpstlichen Berechtigung zur Gewährung großzügiger Ablässe, entwickelte sich Königslutter im Mittelalter zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte in Norddeutschland. Alljährlich strömten am Peter- und Paulstag (29. Juni), dem Festtag der beiden Namenspatrone der Kirche, Tausende von Pilgern an den Elm ("Luttersche Fahrt"). Viele von ihnen kamen von weit her, aus Thüringen, dem Rheinland oder von der Ostsee.

 

Abb.: Stiftskirche zu Königslutter 1830 (Stich HAB Wolfenbüttel). In der gotischen, heute nicht mehr vorhandenen Kapelle am nördlichen Querarm befand sich ein Marienbildnis.

 

 

1542 wurde durch Johannes Bugenhagen die Reformation in Königslutter eingeführt. Bis zur Auflösung 1809 standen dem Kloster evangelische Äbte vor, die seit dem 17. Jahrhundert gleichzeitig Professoren an der Universität Helmstedt waren. 1861-1865 errichtete man auf dem ehemaligen Wirtschaftsgelände (südlich der Klausur) die Herzogliche Heil- und Pflegeanstalt (heute: AWO Psychiatriezentrum).

 

 

 

Abb.: Klosterkirche Königslutter 1715 (Stich HAB Wolfenbüttel). Rechts: das Quellhaus der Lutter.

 

 

Der Kaiserdom befindet sich heute im Eigentum der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, die aus der Zusammenlegung mehrerer alter Stiftungen des Braunschweiger Landes seit 1569 hervorgegangen ist. Im vertrauensvollen Miteinander tragen heute Stiftung und Stiftskirchengemeinde die Verantwortung für den Kaiserdom.

 

 

 

Literaturhinweise:

 

Markus C. Blaich: Die "Fahrt nach Lutter". Bemerkungen zu Königslutter als Wallfahrtsort des späten Mittelalters. In: Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte, hg. v. Brage bei der Wieden, Bd. 92 der ganzen Reihe, Braunschweig 2011, S. 223-239.

 

Christof Römer: Königslutter. In: Die Benediktinerklöster in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen, bearb. von Ulrich Faust OSB (=Germania Benedictina, Band VI: Norddeutschland, hg. v. d. Bayerischen Benediktinerakademie München u.a.), St. Ottilien 1979, S. 273-298.

 

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