Lothar III. von Süpplingenburg

 

Lothar, 1075 geboren, stammte aus sächsischem Hochadel. Seine Heimat war die Region zwischen Braunschweig und Helmstedt. Nach dem Stammsitz seiner Familie wird er "von Süpplingenburg" genannt. Seine Heirat mit Richenza von Northeim brachte ihm ausgedehnte Besitz- und Herrschaftsrechte ein. Ab 1106 war Lothar Herzog von Sachsen.

 

Nach dem Tod des letzten salischen Kaisers, Heinrich V., im Jahr 1125 kam es zu einer Königswahl, bei der Lothar sich gegen seine Konkurrenten durchsetzen konnte. Der daraufhin ausgebrochene Konflikt mit dem unterlegenen Staufer Friedrich II. und dessen Bruder Konrad überschattete fast die gesamte Regierungszeit Lothars. Konrad ließ sich zum Gegenkönig wählen und versuchte in Italien Fuß zu fassen. Unterstützung im Kampf gegen seine Widersacher fand Lothar beim bayrischen Herzog Heinrich dem Stolzen. Er band den Welfen fest an sich, indem er ihm seine einzige Tochter Gertrud zur Frau gab. Zudem übertrug er dem Schwiegersohn die sächsische Herzogswürde und baute ihn konsequent zum Nachfolger auf. Von Anfang an war es Lothars Ziel, eine neue Dynastie zu begründen – eine sächsisch-welfische Herrschaft schwebte ihm vor.

 

 

Barockes Grabmal im Langhaus:
Darstellung Kaiser Lothars III.
Barockes Grabmal im Langhaus:
Kaiserin Richenza, Kaiser Lothar III., Herzog Heinrich der Stolze

 

 

1133 zog Lothar nach Italien, um sich in Rom von Papst Innozenz II. zum Kaiser krönen zu lassen. Da der Petersdom vom Gegenpapst besetzt gehalten wurde, musste sich Lothar als erster Kaiser des Mittelalters mit der Lateranskirche als Ort der Zeremonie zufrieden geben. Lothar konnte sich "von Gottes Gnaden erhabener Kaiser der Römer" nennen – im Verständnis der Zeit war er direkter Nachfolger der antiken Kaiser. Als sich schließlich die staufischen Rivalen unterwarfen, war seine Position im Reich unangefochten. Auf dem Höhepunkt seiner Macht entschloss er sich zum Bau einer Kirche im heimischen Lutter, deren Grundstein er im Sommer 1135 gemeinsam mit seiner Gemahlin legte. Es sollte die Grabeskirche für ihn selbst und seine Familie sein und darüber hinaus sichtbares Zeichen seines christlich-imperialen Machtanspruchs.

 

Ein zweiter Italienzug fand 1136/37 statt. Bis nach Apulien drang Lothar mit seinem Heer vor. Auf der Rückreise starb er am 4. Dezember 1137 in Breitenwang/Tirol. Seine Gebeine wurden nach Königslutter überführt und am letzten Tag des Jahres auf der Baustelle seiner Kirche unter einem provisorischen Totenhaus beigesetzt. Heinrich dem Stolzen gelang die Übernahme der Reichsherrschaft nicht. Zwei Jahre nach Lothar starb auch er. Gertrud heiratete ein zweites Mal. Der gemeinsame Sohn Heinrich, damals noch keine 10 Jahre alt, sollte sich später "der Löwe" nennen.

 

 

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Literaturhinweise und Links:

 

Gerd Althoff: Lothar III. (1125-1137). In: Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Porträts von Heinrich I. bis Maximilian I. (919-1519). Hg. von Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter. München 2003, S. 201-216.

 

Gerd Biegel: "In den Tagen Lothars begann ein neues Licht zu leuchten". Lothar III. – Auf den Spuren eines vergessenen Kaisers. In: Dem Mittelalter in die Augen geschaut. Schriftenreihe der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz. Braunschweig 2010, S. 10-37.

 

Tobias Henkel (Hg.):"Nicht Ruh' im Grabe ließ man euch..." Die letzte Heimat Kaiser Lothars III. im Spiegel naturwissenschaftlicher und historischer Forschungen. Schriftenreihe der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz. Braunschweig 2012.

 

Peter Segl: Lothar III., in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 220-225 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118574515.html

 

Amalie Fößl: Richenza, in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 512-513 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd102500681.html

 

Kurt Reindel: Heinrich X. der Stolze, in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 343 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd124912974.html

 

Heinrich von Zeißberg: Gertrud, in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 70 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn129846023.html?anchor=adb (Anmerkung: Gertrud ist im Stift Heiligenkreuz beigesetzt)

 

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